Der abgespeckte RanzenDoppelstunden und doppelte Büchersätze entlasten KinderrückenVon Martin Schmitzer
Winnenden.
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Wenn die Riemen richtig stramm sitzen, passt sich der Ranzen an die Wirbelsäule an, erklärte Brigitte Würfel der Klasse 5d. Bild: Pavlovic |
"Ich hab' viele Sachen im Schließfach, damit ich nicht alles mitschleppen muss", sagt eine Ranzenbesitzerin. Die Rückentrainerin nimmt's nickend zur Kenntnis. Am Georg-Büchner-Gymnasium ist das Ranzengewicht ein großes Thema. Die Leutenbacherin Gabi Stas, Mitglied der Elternbeirats, und der Lehrer Eckhard Linke schauen nach vielen Möglichkeiten, den kleineren Schülern den Ranzen zu erleichtern. "Alle Schüler haben Schließfächer", sagt Gabi Stas.
Brigitte Würfel fragt noch näher nach den leichten Ranzen: "Wie viele Stunden hattet ihr heute?" Sechs. Hm. "Aber es waren eigentlich drei Doppelstunden, deshalb brauchten wir nur für drei Fächer Bücher mitzunehmen", verrät eine Schülerin, "und heute ist sowieso der Tag, wo wir eigentlich gar kein Buch im Ranzen brauchen." Die Rückentrainerin erlebt den Idealfall des Ranzenmanagements: Auf Wunsch des Elternbeirats hat die Schule Biologie- und Erdkundebücher doppelt angeschafft. Ein Satz bleibt in der Schule, der andere daheim - also muss kein Buch in den Ranzen. Dann hat der Elternbeirat noch einen Satz Englischbücher finanziert, und so .können die Schüler völlig leichtfüßig in die Schule gehen - mit drei Kilo Ranzengewicht. Auch die Doppelstunden sind Methode - bewusst wurden sie eingeführt, um die Rückenlast durch Bücher zu mindern.
Eine Doppelstunde lang erfahren die Schüler vieles über ihr Rückgrat, die Wirbel und die Bandscheiben, über Rückenschmerzen und die Muskeln, die den Rücken stabil halten. "Das ist Herbert, mein Freund", sagt Brigitte Würfel und hält die Nachbildung einer Wirbelsäule hoch, zeigt, wie sie sich krümmt, wie sie gut geformt ist und sich ein Ranzen an die Wirbelsäule anpasst, wenn er eng geschnallt wird. Die Trainerin erklärt nur kurz, und die Schüler, vor allem die Schülerinnen, haben sofort kapiert.
Also sagt sie: "Macht mal so cool, lasst mal den Ranzen so unten hängen." "Das sind nicht wir, die so was machen. Das sind die Älteren", sagt eine gleich. Auch die Coolness-Spezialisten, die ihren Ranzen unter einen Arm klemmen und seitlich tragen, imponieren den Jungen und Mädchen nicht. "Wenn man ihn so trägt, wird man irgendwie krumm", sagt ein Junge. Brigitte Würfel bearbeitet an diesem Tag offenbar ein schon gepflügtes Feld. Die Schüler wissen zum Beispiel auch, dass sie keine Getränke von zu Hause mitschleppen müssen. Die Winnender Firma Kärcher hat ihnen im Herbst einen Wasserspender gestiftet und jetzt die passenden Flaschen dazu - macht wieder ein halbes Kilogramm weniger im Ranzen.
Überhaupt sind die 30 Schüler dieser Klasse 5d bei Lehrerin Cornelia Laqua sehr beweglich. "Wer macht Sport?", fragt die Rückentrainerin. Fast alle rennen los. Bei zweien, die sitzen bleiben, fragt sie nach, und zur Erklärung strecken beide einen Schienverband nach vorne. Verletzt. Ansonsten sind sie regelmäßig im Vereinsturnen.
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